Die Rucksäcke aufgeschnallt und ab nach Prag

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Ohne großen Aufwand, viel Geld und zu lange Fahrtstrecke wollten wir für ein paar Tage verreisen. Dennoch sollte unser Ziel drei wichtige Dinge vereinen…

…Natur, Kultur und kulinarischen Gaumenschmaus. Da kam uns die „goldene Stadt“ (wie Karl IV Prag genannt hat) wie ein Geistesblitz in den Sinn. Nach kurzer Recherche im Netz buchten wir unser Hostel (Doppelzimmer mit Frühstück) und am nächsten Tag ging es schon los.

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Tag 1 Ankunft und Sightseeing-Tour zu Fuß

Mit der Mitfahrgelegenheit fuhren wir zunächst für 5 € nach Dresden Hauptbahnhof und dann mit dem RVD Fernbus der Deutschen Bahn für 14 € weiter nach Prag zum Bahnhof Praha-Holešovice. Bis zu unserem Hostel waren es von dort noch 2,5 km. Weil das Wetter so schön war, beschlossen wir das Stück zu laufen. Auf halber Strecke überquerten wir die Hlávka Brücke die Moldau (Vltava auf Tschechisch), von der wir einen wunderschönen Blick hatten. Auf der anderen Seite angekommen, entdeckten wir unterhalb der Schnellstraße ein paar farbenfrohe Graffitis.

Florenc Busbahnhof und Hostel?!

Nach einer dreiviertel Stunde laufen und jeder Menge neuer Eindrücken erreichten wir unser Hostel. Ironischerweise direkt hinter der gleichnamigen Busbahnhofhaltestelle Florenc, wo anscheinend alle Buslinien (Eurolines, Fernbus etc.) zu halten schienen, nur nicht der der RVD. Aber fairerweise muss man sagen, dass unser Bus deutlich günstiger war und die Zeiten für uns besser passten. Weil wir früh am Morgen ankamen (9:30 Uhr) und spät wieder zurückfuhren (18:30), womit man jeweils den ganzen Tag voll nutzen kann.

Die Mitarbeiter im Hostel waren sehr freundlich und unser gebuchtes Doppelzimmer war sauber und übersichtlich eingerichtet. Das Bad hatten wir sogar für uns, weil das Zimmer nebenan frei blieb, mit dem wir es sonst hätten teilen sollen. Nach einem kurzem Rundgang durch das Hostel und einer kleinen Verschnaufpause im Zimmer, bei dem wir die Rucksäcke abschnallten und einen kleinen Rucksack für unterwegs packten, wollten wir nun gleich die Stadt erkunden. Dafür ließen wir uns noch eine Stadtkarte geben, die das Hostel (wie fast überall) kostenlos zur Verfügung stellte.

Weil wir bei unseren Trips immer eine Mischung aus kulturellen Touristenattraktionen und geheimen Tipps der Locals mögen, hatten wir uns vorher schon im Internet informiert. Die Hostel-Mitarbeiterin half uns dann noch die Orte auf der Karte zu finden. Um die Stadt von allen ihren Seiten kennenzulernen, beschlossen wir alle Strecken am ersten Tag zu laufen.

Unser erstes Ziel war die Innenstadt. Hier brauchten wir eigentlich nur dem Touristenstrom zu folgen, der anscheinend auch unter der Woche nicht abreißt. Weil uns das jetzt schon zu viel war, bogen wir einfach mal rechts in eine Seitenstraße ab, und entdeckten dabei durch Zufall die wunderschöne Basilika St. Peter am Poříčí aus dem 12. Jahrhundert. Direkt an der Ecke war ein kleines Café, wo wir die Ruhe mit einem Kaffee genossen. Nach unserer spontanen Kaffeepause liefen wir zum Platz der Republik, wo der Touristenbalg uns wieder umlagerte, weil dort auch der berühmte Prager Pulverturm steht. Dieser verdankt seinen Namen übrigens durch die Schwarzpulverlagerung bis zum 17. Jahrhundert. Nebenan steht das Repräsentationshaus (tschechisch Obecní dům). Ein wunderschönes Jugendstilgebäude, welches heute für Veranstaltungen, Ausstellungen und Konzerte genutzt wird. Aber nicht nur die zwei Sehenswürdigkeiten beeindruckten uns, auch die One-Man-Show eines Straßenmusikers, der seine Apparatur anscheinend selbst zusammengebastelt hatte, ließ uns erstaunen.

Weiter ging es an anschließend durch die kleinen Gassen und zahlreichen Touristenshops zum Altstädter Ring, dem zentralen Marktplatz der Prager Altstadt. Wenn man aus irgendwelchen Gründen dem Touristenstrom vorher entgehen konnte, dann hat das hier definitiv ein Ende. Obwohl der Platz mehr als 9000 m² groß ist, hat man das Gefühl, jeder einzelne Quadratmeter ist mit zahlreichen Touristen ausgefüllt.

Dennoch ein toller Platz mit zahlreichen Sehenswürdigkeit, an dem man sich alleine schon ein paar Stunden aufhalten kann, wenn man kulturell interessiert ist. Der Platz wird vom Altstädter Rathaus, der Teynkirche, der Hussitenkirche St. Niklas, dem Palais Kinsky und dem Haus zur steinernen Glocke umgeben. In der Mitte steht das Denkmal für Jan Hus, der ein christlicher Theologe, Prediger und Reformator war, und 1415 dort auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde. Nach ihm benannte sich auch die revolutionäre Bewegung der Hussiten, die sich gegen die böhmischen Könige und die römisch-katholische Kirche richtete.

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Die Teynkirche

Der Bau der dreischiffigen, gotischen Kirche begann bereits 1365. Fertiggestellt wurde sie aber erst Anfang des 16. Jahrhunderts mit den ungleichen Türmen. Der rechte Turm ist etwas kleiner und dicker und wird als Adam bezeichnet. Der linke ist rund 80 m hoch und schmaler und wird Eva genannt. Dieser spendet in den Sommermonaten Schatten, weshalb er im Mittelalter als Lager für leicht verderbliche Lebensmittel genutzt wurde. Im Inneren befindet sich das älteste Prager Taufbecken aus Zinn aus dem Jahr 1414.

 DSC_0044 St. Nikolaus-Kirche

St. Nikolaus-Kirche

Diese Kirche wurde als Ersatz für eine durch einen Brand zerstörte romanische Pfarrkirche in den Jahren 1732 bis 1735 errichtet. Ab 1787 wurde die Kirche als Lagerhaus zweckentfremdet und später als Militärkirche und für Militärkonzerte genutzt. 1871 übernahm die russisch-orthodoxe Gemeinde das barocke Gotteshaus. Seit 1920 dient sie der tschechischen Hussiten Kirche.

DSC_0043 Der Palais Kinsky (rechts)

Der Palais Kinsky

Der Rokoko-Palais wurde zwischen 1755 und 1765 erbaut und beherbergt heute die graphischen Sammlungen der Nationalgalerie. 1948 verkündete Präsident Klement Gottwald die kommunistische Machtübernahme vom Balkon aus. Im Moment ist der Palais Gegenstand eines Rechtsstreites zwischen dem Staat und dem früheren Eigentümer Fürst Franz Ulrich Kinsky.

 

DSC_0041 Das Haus der steinernen Glocke (rechst neben Kinsky)

Das Haus der steinernen Glocke (rechts neben Kinsky)

Das schöne Gebäude wurde Anfang des 14. Jahrhunderts errichtet und wahrscheinlich zum Stadtpalast unter König Johann von Luxemburg umgebaut. Auch der römisch-deutsche Kaiser Karl IV. soll zeitweise hiergewohnt haben. Zwischen den frühgotischen Kreuzstockfenstern standen Statuen, von denen Konsolen und Baldachine noch erhalten sind. Im 17. Jahrhundert wurde das Haus barockisiert, wo über 12.000 ursprüngliche Bauelemente und Reliefsteine weiterbenutzt wurde. Es diente sozusagen als sein eigener Steinbruch. In den 1970er/1980er Jahren wurde es, soweit es ging, in den gotischen Zustand zurückversetzt. Im Keller des Hauses, das für Ausstellungen genutzt wird, befinden sich noch Statuen und Fragmente sowie eine kleine Ausstellung über die Geschichte.

Das Altstädter Rathaus

Sehr beeindruckend und faszinierend fanden wir auch das Altstädter Rathaus, mit seiner astronomischen Aposteluhr. Dieses befindet sich an der Südostecke des Altstädter Rings. Die Uhr, welche heute zu den Hauptattraktionen in Prag zählt, wurde über die Jahrhunderte in Stücken gebaut. Eines der ältesten Teile ist das mechanische Uhrwerk mit dem astronomischen Ziffernblatt. Ende des 15. Jahrhunderts kam dann unterhalb der Kalender hinzu und Mitte des 16. Jahrhunderts eine Sonnenuhr. Die Figuren der 12 Apostel oberhalb der Ziffernblätter wurden erst ein Jahrhundert später installiert und erscheinen täglich zwischen 9 und 21 Uhr zur vollen Stunde. Nachdem wir uns das Spektakel angesehen hatten, liefen wir immer noch im Touristenstrom weiter zur Karlsbrücke.

 

Die Karlsbrücke

Die Karlsbrücke wurde im 14. Jahrhundert durch Kaiser Karl IV errichtet. Historisch bedeutsam ist die Brücke, weil sie die älteste erhaltene Brücke über die Moldau ist, und als eine der ältesten Steinbrücken Europas gilt. Die Karlsbrücke verbindet zudem die Altstadt mit der Kleinseite (ein Stadtteil in Prag). Über die 516 Meter lange und 10 Meter breite Brücke führte der Krönungsweg der böhmischen Könige, sie war außerdem Schauplatz heftiger Kämpfe des 30-jährigen Krieges und war auch sonst Jahrhunderte lang eine wichtige Verkehrsverbindung zwischen den Prager Stadtteilen. Im 17. Jahrhundert erhielt sie im Wesentlichen ihre heutige Gestalt mit den 30 barocken symbolträchtigen Skulpturen wie das Kruzifix, die Madonna und Heiligenfiguren.

Ihren Namen erhielt die Karlsbrücke erst im Jahr 1870. Heute steht sie unter Denkmalschutz und ist Teil des UNESCO Weltkulturerbes. Von der Brücke aus konnten wir den Berg Hradschin sehen, auf dem die Prager Burg liegt. Die Besichtigung hoben wir uns aber für den nächsten Tag auf. Auf der Karlsbrücke selbst sind täglich zahlreiche Künstler, die ihre Dienste für Portrait- und Karikatur-Zeichnungen anbieten. Aber auch Zeichnungen von Prag und Schmuck kann man auf der Brücke erwerben. Nachdem wir die Brücke überquerten, befanden wir uns auf der Kleinseite (Malá Strana) von Prag.

 

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Cable Car und Eiffel Turm von Prag

Unser nächstes Ziel war der Aussichtsturm Petřín auf dem gleichnamigen Petřín Hügel (Laurenziberg). Dieser ist 318 Meter hoch, den man entweder zu Fuß oder mit der Petřín-Standseilbahn erklimmen kann. Wir entschieden uns für Zweiteres. Denn das gute ist, dass die Bahn auch an die normalen öffentlichen Verkehrsmittel angebunden ist, und man mit dem erworbenen Ticket auch die Straßenbahn nutzen kann. Wir kauften also ein Tagesticket, das 24 Stunden galt. Nicht vergessen ein Ticket am Automaten zu kaufen, denn trotz dass der Kontrolleur einen unten ohne Ticketsicht teilweise durchlässt, warten oben dann die Kontrolleure, die die Schwarzfahrer zur Kasse bitten, und das wird nach der hörbaren Diskussion definitiv teuer. Die Fahrt dauert ca. 10 Minuten und es gibt noch einen Zwischenstopp auf halber Höhe.

Auf dem Hügel sind zahlreiche Beschilderungen für Aktivitäten, die man dort machen kann. Eine davon ist der Turm, der für die Industrieausstellung am 1891 als verkleinerter Nachbau des Pariser Eiffelturms gebaut wurde und von dem man einen tollen Ausblick über Prag hat. Das Tolle ist, dass der Laurenziberg von insgesamt acht Park- und Palaisanlagen umgeben ist. Bei unserem Besuch blühten wunderschöne rote Rosen, deren Geruch noch weit zu riechen war. Auf dem Rückweg überquerten wir Most Legií (Brücke der Legionen), die über die Schützeninsel inmitten der Moldau führt. Von hier hatten wir hatten wir einen tollen Blick auf die Karlsbrücke und den Hradschin.

 

Der Durst nach Bier führte uns in die falsche Richtung zur richtigen Kneipe

Pivovarský Dům

Weil wir dann aber aus Versehen in die entgegengesetzte Richtung unseres Hostels liefen, stießen wir durch Zufall auf das Pivovarský Dům. Von außen eher unscheinbar und eher wie ein Geschäft aussehend, hat die Kneipe von innen das typische tschechische Flair. Auf der Speisekarte findet man Würstchen, Bohnen, gebratenes und eingelegtes Schweinefleisch, Knödel und Kartoffelkroketten zusammen mit Klassikern wie Gulasch und Svickova.

Adresse: Jecna / Lipova Straße 15, Prag 2.

Öffnungszeiten: Täglich von 11-23 Uhr

 

Der andere Blick über Prag (Geheimtip)

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Weil wir ziemlich kaputt vom Tag waren, beschlossen wir zwei Bier in einem Shop auf dem Weg zurück zum Hostel zu kaufen und den Abend im Zimmer ausklingen zu lassen. Aber ein Stück weiter kamen wir am Rieger Park (Riegrovy Sady) vorbei, der auf einem Hügel lag und von dem man einen wunderschönen Ausblick auf Prag hat. Gerade rechtzeitig zum Sonnenuntergang und perfekt ausgestattet mit dem Bier, ließen wir den erlebnisreichen ersten Tag mit der grandiosen Aussicht auf Prag dann doch lieber hier ausklingen.

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TAG 2 Pub Crawl auf eigene Faust

Unser Frühstück im Hostel war einfach aber sehr lecker. Ob Müsli, Cornflakes, Rührei oder Brötchen, die Auswahl war groß. Der zweite Tag war leider nicht mehr so warm und sonnig wie der erste, aber das hielt uns nicht davon ab, die Stadt weiter zu erkunden. Weil unser Ticket vom Vortag noch gültig war, fuhren wir mit der Straßenbahn zur Kleinseite.

 

Palais Schwarzenberg

Von dort aus liefen wir zu Fuß die ziemlich steile und lange Nerudova Straße hinauf zum Hradschin-Platz, wo sich der Palais Schwarzenberg befindet. Das dreiflügelige Gebäude wurde im 16. Jahrhundert für die böhmische Adelsfamilie Lobkowitz als Stadtresidenz errichtet, und als eines der ersten Gebäude in Prag im Stil der italienischen Renaissance erbaut. 1719 kam die Familie Schwarzenberg durch eine Heirat den Palais, die im Jahr 1811 auch das benachbarte Palais Salm erwarb. Gleich daneben befindet sich auch die Prager Burg.

 

Die Prager Burg

Die Prager Burg wurde im 9. Jahrhundert gegründet und bildet heute das größte geschlossene Burgareal der Welt. Ihr Aussehen hat die Burg durch die einzelnen Etappen verschiedener Baustiele stark verändert.

Ihre Funktion als Sitz des Staatsoberhauptes blieb aber stets die Gleiche. Heute ist sie die offizielle Residenz des Präsidenten der Tschechischen Republik. Inmitten der Burganlage befindet sich der Veitsdom, welcher das größte Kirchengebäude Tschechiens ist. Mal wieder durch Zufall zur richtigen Zeit am richtigen Ort, erlebten wir pünktlich um 12 Uhr die Wachablösung auf dem Burggelände. Von dort hatten wir dann noch eine wahnsinnig tolle Aussicht auf die Stadt.

Nachdem wir das riesige Gelände durchcampt hatten, brauchten wir erstmal ein Bier, um unsere neuen Eindrücken zu verarbeiten. Darüber hinaus fing es wieder zu regnen an. Weil es neben den riesigen Brauereien wie Pilsner Urquell, Budvar und Staropramen auch zahlreiche Mikrobrauereien in Prag gibt, wollten wir einige dieser einheimischen Biersorten ausprobieren. Dafür mussten wir lediglich in eine der vielen Kneipe gehen, denn fast jede besitzt ihre kleine Brauerei. Die erste auf die wir stießen, war dabei ironischerweise die Brauerei Kláěterní Pivovar Strahov auf dem Gelände des Strahov Klosters.

 

Die Kláěterní Pivovar Strahov Brauerei

Das Kloster erlaubt zwar die kommerzielle Herstellung des Biers, hat aber sonst nichts damit zu tun. Dennoch wurden die Biersorten eine nach der anderen nach St. Norbert benannt. Das Bier ist sehr dunkel und bitterer, als man erwarten würde. In der Kneipe stehen zwei große Bierbraukessel, die immer mal wieder geöffnet werden und der Inhalt umgerührt wird.

Adresse: Strahov monastery, Strahovské nádvoří 301.

Öffnungszeiten: täglich 10-22 Uhr

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Zum Schwarzen Ochsen (Pivnice U Černého Vola)

Auf dem Weg zurück in Richtung Altstadt entdeckten wir den „Schwarzen Ochsen“, eine kleine unauffällige Kneipe, die man schnell von außen übersehen kann, dafür aber mit viel Charme und authentischem Prager Flair punktet. Das Personal war leider ziemlich unfreundlich und kühl. Das Bier war überraschenderweise im Gegensatz zum schlecht gestimmten Kellner sehr lecker. Leider fanden das nicht nur wir, sondern auch zig Fliegen, die sich in der Kneipe befanden. Man kann aus drei verschiedenen Biersorten wählen, alle mit dem Namen Kozel. Wir entschieden uns für ein helles und ein dunkles Bier. Ein großer Pluspunkt waren noch die Preise, die bei knapp einem Euro für ein 0,5 L Glas lagen.

Loretánské nám. 107/1, 118 00 Praha-Hradčany. (Tram 22 oder 23)

Öffnungszeiten: täglich von 10-22 Uhr.

 

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U Fleko

Wieder auf der anderen Seite der Moldau angekommen, hieß unser nächstes Ziel U Fleko (bei den Flecken). Leider waren wir etwas enttäuscht. Es war sehr voll und touristisch. Eigentlich fast keine Einheimischen. Wie in jeder dieser Pubs gab es hier nur eine Biersorte. Das Glas bekam man auf den Tisch geknallt und ein Strich gab es auf den Bierdeckel. Da wir unbedingt Slivowitz (Pflaumenschnaps) kosten wollten, bestellten wir einen. Für unseren Geschmack, hätten wir uns den jedoch sparen können. Trotzdem war die Stimmung gut. Ein Akkordeon-Spieler heizte die Touristenstimmung ein, und wir lernte ein paar nette ältere Amerikanerinnen kennen, die ohne ihre Männer einen drauf machten. Lohnenswert, wenn man schnell neue Leute kennenlernen möchte, denn man teilt sich einen großen Tisch.

Křemencova 1651/11, 110 00 Praha 1.

Öffnungszeiten: täglich 10-23 Uhr

 

Restaurant U Bubeníčků

Eigentlich auf dem Weg zurück zum Hostel kamen wir an einer Katze vorbei, die sich auf einer Fensterbank eines Pubs sonnte. Gut belebt stellte sich heraus, dass die Kneipe auch ein Hostel war. Weil an dem Tag gerade ein Angebot für den Panierten Karpfen nach altböhmischer Art mit häuslichem Salat aus Kartoffeln, Zwiebel und Olivenöl aushing, beschlossen wir hier im Restaurant U Bubeníčků (Bei den Trommlern) gleich Abend zu essen. Weil wir gerne verschiedene Sachen ausprobieren, entschied ich mich für Schweinebraten mit Knödeln, das Nationalgericht in Tschechien. Zu dem Fischangebot gab es ebenfalls typisch Kartoffelsalat. Beide Gerichte waren sehr lecker und das Preis-Leistungsverhältnis sehr gut.

Adresse: Myslíkova 8, 120 00 Praha Nové Město.

Öffnungszeiten: täglich 11-23 Uhr

 

Restaurace U Vejvodů

Auf der vergeblichen Suche nach dem Pub „der goldene Tiger“ entdeckten wir um Mitternacht noch eine gut belebte Bierstube in der Nähe. Dort tranken wir das bekannte Pilsner Urquell Bier und ein dunkles Kozel, bevor wir uns erschöpft und gut gefüllt auf dem Heimweg machten, und in unser Hostelbett fielen.

Adresse: Jilská 4, 110 00 Praha

Öffnungszeiten: Mo-Do 10-3 Uhr; Fr-Sa 10-4 Uhr, So 10-2 Uhr

                  

Tag 3 Ins Grüne mit der Straßenbahn

Weil wir abends wieder mit dem Bus zurückfuhren, mussten wir früh noch auschecken. Unser Hostel hat uns aber Gepäckmarken gegeben, sodass wir dieses kostenlos am Busbahnhof bei der Gepäckaufbewahrung lagern konnten.

Weil das Wetter am dritten Tag wieder schöner war, beschlossen wir am letzten Tag weg vom Trubel und dem Alkohol in die Natur zu fahren. Das ging schnell mit der Straßenbahn. Von der Haltestelle Florenc fuhren wir zunächst mit der Linie 8 Richtung Moldau, wo wir dann noch ein Stück zur Haltestelle der 21 oder 17, mit der wir weiter raus fahren wollten, laufen mussten. Auf dem Weg dorthin entdeckten wir einen Charity Shop. Anschließend stiegen wir am Fluss in die 17. Die Fahrt ging entlang der Moldau. Wir stiegen dann einfach irgendwann aus und spazierten am Fluss entlang, wieder Richtung Stadt auf der Suche nach dem Goldenen Tiger – kein Denkmal, sondern ein Pub, der Tradition und einheimischen Flair haben soll.

 

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Der Goldene Tiger (U Zlateho Tygra)

Eigentlich leicht zu finden, wenn man in die Innenstadt läuft – aber wie schon andere einheimische Pubs in Prag ist auch der Goldene Tiger von außen eher unscheinbar und gar nicht so leicht zu finden. Als wir ihn dann schließlich entdeckten, gingen wir hinein und setzten uns an ein Tisch, wo ein Mann mit seinem Kind saß. Beide waren ebenfalls Touristen. Dass das Barpersonal unfreundlich im Tiger sein soll, hatte ich schon öfter gehört, als der Mann um ein Glas Wasser für sein Kind bat und der Kellner nur meinte, eine Kneipe ist kein Kinderspielplatz, sie hätten nur Bier, wurde das nochmal bestätigt. Berühmt und berüchtigt für das angeblich beste gezapfte Pilsner Bier, sind wir vom Geschmack und den Preisen eher enttäuscht. Vielleicht will sich die Kneipe auch nur sein einheimisches Flair bewahren, denn zu Stammgästen scheinen die Kellner stets freundlich zu sein. Nach der Enttäuschung brauchten wir erst einmal etwas Süßes. Da kam uns das Staroceske Trdlo genau zur richtigen Zeit in den Blick.

Adresse: Husova 17, Altstadt.

Öffnungszeiten: täglich 15-23 Uhr

 

Staroceske Trdlo

Dieses typische Gebäck hat die Form einer Rolle und wird auf einem Stock gebacken. Das Highlight sind der Zucker und die Nussraspeln. Für den Preis von 2 Euro war die Portion jedoch ziemlich klein und wahrscheinlich eher nur bei Touristen beliebt. Aber wir können sagen, wir haben es mal probiert.

Der Wenzelsplatz

Der Wenzelsplatz entstand mit der Gründung der Prager Neustadt 1348 unter König Karl IV., und wurde entlang eines bestehenden Weges genau rechtwinklig zum Markt als eigenständiger Teil der Prager Altstadt angelegt. Weil dort Pferdehandel betrieben wurde, erhielt er zunächst den Namen Rossmarkt. Erst 1848 wurde er in Wenzelsplatz umbenannt. Mit einer Breite von etwa 60 m und ca. 750 m Länge, gehört er zu den größten städtischen Plätzen in Europa und entspricht eher einer Prachtstraße als einem Platz. Hier befinden sich auch zahlreiche Nachtclubs, Bars und Fast-Food-Ketten. Bevor wir uns auf dem Weg zurück ins Hostel machten, rasteten wir kurz und ließen diesen riesigen Platz mit seinen schönen Häusern und bunten Menschenmassen einfach auf uns wirken.

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Anschließend hieß es auch schon fast Abschied nehmen von der Goldenen Stadt. Wir holten noch unsere Sachen von der Gepäckaufbewahrung und fuhren mit der Bahn zur Bushaltestelle. Total erschöpft, aber voll bepackt mit vielen neuen Eindrücken, schönen Erlebnissen und noch dem Geschmack interessanter Biersorten auf der Zunge ging es wieder Richtung Leipzig.

Viele Grüße Eure Nadja

P.S. Ich hab Teresa mit meinem Beitrag gleich hungrig gemacht. Schaut mal nach, sie hat gleich Knödel mit Gulasch gekocht.

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