Kaffee selbst zubereiten – auch ohne Strom!

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Der Genuss des „braunen Goldes“ ist auf der ganzen Welt verbreitet. Dabei hat fast jede Kaffee-Nation ihre eigene Rezeptur und Trinktradition. In Österreich ist es beispielsweise der Kaffee Melange, in Australien der Long Black und in Deutschland der Milchkaffee. Die meisten Kaffeetrinker benutzen für die Zubereitung heute entweder gemahlenen Kaffee oder eine elektrische Kaffeemühle zum Mahlen der gerösteten Bohnen. Wir lieben die „do it yourself“-Variante – von der Kaffeebohne bis zum gebrühten Kaffee in der Tasse.

Selbst mahlen mit der eigenen Handkaffeemühle

Schon lange waren wir auf der Suche nach einer Handkaffeemühle. Gerne durfte sie auch gebraucht sein. Bei einem Kurztrip nach Hannover fanden wir schließlich unser jetziges Schmuckstück auf dem Flohmarkt. Jeden Samstag können hier Flohmarktliebhaber am Hohen Ufer auf dem ältesten Flohmarkt Deutschlands dabei sein und von 8 bis 16 Uhr Feilschen und Stöbern was das Zeug hält. Weil der Besuch von Flohmärkten auch zu unseren Lieblingswochenendbeschäftigungen gehört, konnten wir an dem Altstadt-Flohmarkt in der niedersächsischen Landeshauptstadt natürlich nicht einfach vorbeigehen. Eigentlich suchte ich eine Keramikkaffeemühle, wie sie bei meiner Oma in der Küche an der Wand hing. Aber die Keramikmühlen sind rar und demnach waren sie auch in Hannover nicht für unter 60 Euro zu bekommen. Dann entdeckten wir jedoch Kaffeemühlen zum Hinstellen aus Holz. Ein Händler erklärte uns, dass man die Mühle einfach zwischen die Beine klemmt und dann geht es los mit dem Mahlen. Eine praktische Variante für unseren Kaffee unterwegs, dachten wir. Das fanden wir irgendwie witzig. Nachdem wir noch Mühlen davon an anderen Ständen entdeckten, konnten wir sogar noch ein wenig vergleichen und handeln. Am Ende entschieden wir uns für eine Dienes, die in einem sehr guten Zustand war und wir auf 15 € herunterhandelten.

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Kleiner Tipp vor dem Kauf: Immer schauen, wie die Mühle von innen aussieht, ob alle Teile vorhanden sind. Für eine gute bis sehr gute Mühle zum Hinstellen könnt ihr auf 10-15 € runterhandeln. Bei den Keramikmühlen zum Hinhängen müsst ihr etwas mehr berappen. Solche Kaffeemühlen könnt ihr auf max. auf 25-35 € herunterhandeln. Wichtig ist bei Letzteren, dass die Teile nicht aus Plastik sind, sonst ist es ein billiger Fake.

Zuhause angekommen, mussten wir unseren neuen Liebling erst einmal reinigen. Weil das bei uns uns super funktionierte, hier eine kleine Anleitung:

So wird’s gereinigt

  1. Die Mühle auseinanderschrauben
  2. Die Metallteile mit einem rauen Schwamm reinigen
  3. Beim Holz lieber vorsichtig mit Wasser sein
  4. Nachdem die Teile über Nacht getrocknet sind, wieder zusammenschrauben
  5. Eine Nacht offen auslüften lassen
  6. Eine Nacht mit gemahlenen Kaffee gefüllt stehen lassen (danach sollte die Mühle neutral riechen)
  7. Mahlgrad lässt sich durch leichtem Dreh an der Rändelschraube unterhalb der Kurbel regulieren
  8. Durch Drehen im Uhrzeigersinn erhaltet ihr eine gröbere Mahlkörnung, durch Drehen entgegen dem Uhrzeigersinn eine feinere.

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Dann war der große Tag gekommen, an dem wir unseren ersten Kaffee mit der neuen Handkaffeemühle mahlten. Bereits der Geruch des frisch gemahlenen Kaffees, der uns in die Nase stieg, zauberte uns ein Lächeln ins Gesicht. Seither belohnt uns unsere Kaffeemühle jeden Morgen nach einem kleinen 5-Minuten-Oberarmtraining mit frisch gemahlenen Kaffee. Ein täglich schöner Start in den Tag.

Die individuelle Kaffeezubereitung

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Es gibt die verschiedensten Traditionen und Möglichkeiten, einen Kaffee zu brühen. Aber nicht nur die Kaffeekannen zum Kaffeekochen sehen sehr unterschiedlich aus, auch der Kaffee schmeckt auf den verschiedenen Erdteilen anders. Den besten Kaffee habe ich bis jetzt in Europa und in Vietnam getrunken. Dabei gibt es neben dem Kaffee selbst auch bei der Zubereitung Unterschiede. In Europa sind beispielsweise die in Frankreich erfundene Variante mit dem so genannten Kaffee-Pressstempel und die Italienische, mit dem so genannten Perkolator, verbreitet. In Vietnam wiederum wird der Kaffee direkt über der Tasse gebrüht. Die Vorteile aller drei Varianten sind, dass für die Zubereitung, bis auf das Wasser kochen, kein Strom und kein extra Filter benötigt werden. Besonders praktisch sind sie auch für Camping-Trips.

Die Kaffee-Pressstempel-Variante aus Frankreich

DSC_01941703Mit der Pressstempelkanne, die auch French Press, Kaffeedrücker, Plunger oder Cafetière genannt wird, wird der gebrühte Kaffee mittels eines Stempels mit Sieb nach unten gedrückt. Diese Methode haben wir den Franzosen zu verdanken, auch wenn ein Italiener Ende der 1920er Jahre sich diese Presse patentierte. Besonders üblich ist diese Variante in Europa und in Haushalten, in

denen keine Kaffeemaschine vorhanden ist.

Zubereitung:

  1. Den gemahlenen Kaffee in die Kanne gegeben
  2. Heißes Wasser bis kurz über die Kaffeepulverkante aufgießen
  1. 20 bis 30 Sekunden warten
  1. Das restliche Wasser aufgießen
  2. Nach weiteren 3 bis 6 Minuten wird der Kaffee umgerührt
  3. Anschließend mit dem Stempel nach unten gedrückt
  4. Der Kaffeesatz ist jetzt von der Flüssigkeit getrennt und kann direkt in eine Tasse eingeschenkt werden

Tipp: grob gemahlenen Kaffee benutzen

 Die italienische Perkolator-Variante

DSC_01951704Wenn man in Italien einmal einen Kaffee getrunken hat, möchte man sich gleich nochmal einen bestellen. Viele Italiener haben eine kleine so genannte Espresso- bzw. Mokkakanne zuhause. Auch wenn hier weder Mokka noch Espresso entsteht, ist die Kanne unter diesen Namen bekannt. Denn der kleine italienische Kaffeekocher kann gerade einmal 1,5 bar erzeugen, während ein richtiger Espresso mit einem Druck von 9 bar hergestellt wird. Die Mokkakanne besteht aus einem Gefäß für das Wasser, einem Filter und dem Kannenaufsatz.

Zubereitung:

  1. Wasser unten hineingeben (immer ausreichend füllen)
  2. Den Filter großzügig mit Kaffee füllen, aber nicht pressen
  3. Auf eine heiße Herdplatte stellen
  4. Durch die Hitze wird das Wasser durch einen Filter nach oben gedrückt
  5. Der Kaffee darf auf keinen Fall kochen, also vorher vom Herd nehmen
  6. Die Italiener trinken ihren starken Kaffee meist mit Zucker und einem Glas Wasser

Tipp: mittelgrob gemahlenen Kaffee benutzen

Achtung: Bei Aluminium-Kännchen vorsichtig bei der Reinigung. Schwämme können das Aluminium angreifen und dadurch gelangen giftige Schadstoffe in den Kaffee. Besser sind die kleinen Kannen aus Edelstahl.

Einmaliges Kaffeearoma made in Vietnam

DSC_01931702Auch in Vietnam wird Kaffee getrunken und zwar jede Menge. Das ist jedoch kein Wunder, denn der vietnamesische Kaffee bringt mit seiner süßlichen Note von Kakao und Nuss einen einzigartigen Geschmack mit. Auch dass die Vietnamesen ihren Kaffee immer mit gezuckerter Kondensmilch trinken, trägt sicherlich zu dem unglaublich leckerem Aroma bei. Für die Zubereitung wird einfach auf die Tasse ein kleines Töpfchen gestellt, das im Boden viele kleine Löcher hat. Der gemahlene Kaffee wird dort hineingegeben und dann gewartet, denn der Kaffee tropft durch diese kleinen Löcher durch. Ein langer Prozess, aber wer starken Kaffee mag, kommt hier voll auf seine Kosten. Der bekannteste Kaffeehersteller ist wohl Trung Nguyên. Wir hatten uns darüber hinaus noch den Kaffee von Bảo Minh mitgebracht.

Die Geschmacksstärken variieren hier von 1-5.

Zubereitung:

  1. 2 EL gezuckerte Kondensmilch in eine kleine Tasse geben
  2. Das kleine Töpfchen auf eine Tasse stellen
  3. Kaffee in das kleine Töpfchen geben
  4. Das Wasser bis zur oberen Kante füllen und die Presse draufsetzen (nicht runterdrücken)
  5. Immer wieder aufgießen, bis die Tasse gefüllt ist
  6. Dauer ca. 5 Minuten

Tipp: grob gemahlenen Kaffee benutzen, damit der Kaffeesatz im Filter oben hängen bleibt.

Kaffeeempfehlung

Zum Abschluss noch eine kleine Kaffeeempfehlung zu dem jeweiligen Kaffeezubereiter.

Viel Spaß beim Feilschen, Mahlen und Genießen wünschen Euch Nadja und Teresa.

Schon gewusst?
Vietnam ist der zweitgrößte Kaffeeproduzent der Welt, und ein Großteil der Ernte kommt davon sogar nach Deutschland.

[Gesamt:6    Durchschnitt: 5/5]

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