Hauptstadtbesuch in Finnland

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Finnland ist mit knapp 5,5 Millionen Einwohnern auf einer Fläche von rund 340.000 m2 ein recht dünn besiedeltes Land, und feiert im Jahr 2017 seine noch junge Unabhängigkeit von einhundert Jahren. Wie in jedem Land gibt es natürlich auch ein paar Stereotypen wie die Finnen angeblich sind. Dabei stehen ganz oben: hoher Alkoholkonsum, teurer Lebensstandard und emotional kühle Menschen.

Im Grunde treffen alle diese Eigenschaften zu, aber ich möchte noch ein paar hinzufügen. Trotz der typisch nordischen Kühle, sind die Menschen nämlich ein sehr freundliches und hilfsbereites Völkchen, sie trinken gerne, aber das mit Stil und um 3 Uhr nachts schließen auch schon die meisten Clubs. Den Cleanen Lebensstil scheinen die Finnen wohl darüber hinaus erfunden zu haben. Die Wohnungen sind minimalistisch gestylt, ebenso wie der Kleidungsstil, der geprägt ist von geraden Schnitten, klaren Linien und Pastellfarben oder klassisch weiß.

Der Flug, die Ankunft und das ersehnte Wiedersehen

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Mit AirBaltic von Berlin erreicht man Helsinki in 2,5 Stunden. Von dort aus fährt entweder der Zug oder auch verschiedene Busse in die Innenstadt. Die Verkehrsmittel sind preislich völlig okay. Wir haben für ein 5-Tage-Ticket 36 € bezahlt (7,2 €/Tag). Mit dem Ticket des regionalen Verkehrsbundes HSL kann man den Zug, Bus, Straßenbahn und sogar Fähre nutzen.

Abends fuhren wir nochmal in die Stadt. Kauften uns ein Wein und setzten uns bei schönstem Wetter an einen See und beobachteten den Sonnenuntergang. Bis auf Bier (bis 4,6 ‰), bekommt man in Finnland Alkohol nur speziellen Spirituosenläden, die „Alko“ heißen.

Parade, Markt und Inselfeeling

Als wir am nächsten Tag in die Stadt fuhren, war gerade eine Militärparade im Gange. Auch auf dem Marktplatz Kauppatori herrschte ein wildes Treiben. Der Markt, der direkt am Fährhafen liegt, ist täglich. Von Blumen und Früchten bis Kunsthandwerk und Souvenirs kann man dort alles erwerben.

Direkt am Hafen befindet sich auch die Alte Markthalle von Helsinki. Ein Blick ins Innere lohnt sich in jedem Fall. Dort gibt es finnische Spezialitäten wie eingelegten Lachs und Schokolade.

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Mit der HSL-Fähre setzten wir am Nachmittag zur Insel Suomenlinna über.

Auf der Insel kann man eine Seefestung aus Mitte des 18. Jahrhunderts kostenlos besichtigen.

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Damals gehörte Finnland noch zu Schweden und diente ihnen im schwedisch-russischen Seekrieg als Stützpunkt.

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Heute ist sie UNESCO Kulturerbe. Die Insel selbst ist Teil von Helsinki und zählt auch 800 Einwohner. Auf der Insel gibt es auch einige Cafés in dem es sich lohnt einen Café-, Kuchen- oder Eis-Stopp einzulegen.

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Trinken und Essen auf hohem Niveau

Die Finnen sind immer gut angezogen und lieben, trotz der hohen Preise ihre geselligen Abende. Ob in der Bar, im Restaurant oder der Sauna, hier sind immer Gruppen anzutreffen. Gerade im Sommer lassen viele Finnen die Nacht zum Tag werden, wahrscheinlich auch, weil es nicht wirklich dunkel wird. Bei der Architektur trifft Moderne Tradition. Besonders neue Gebäude erhalten durch Holz- und Steinelemente ein traditionelles Flair.

Gutes Essen gibt es beispielsweise im Skiffer – eine Mischung aus Bar und Restaurant. Die Gerichte liegen dort preislich zwischen 10 € und 20 €, Bier und Wein um 7 €.

Das Skiffer Restaurant gibt es zweimal in Helsinki, das auf der Insel erreicht man mit einer Fähre. Besonderes Highlight der Karte sind die Pizzakreationen in Form eines Schiffes. Wer den Sonnenuntergang mal spektakulärer genießen möchte, dem kann ich das Sokos Hotel Torni über den Dächern von Helsinki empfehlen. Mit dem Fahrstuhl geht es in den 12 Stock. Oben gibt es eine Bar mit Dachterrasse. Cocktails kosten dort jedoch um die 15 €. Den atemberaubenden 360° Blick haben wir aber auch ohne Getränke genießen können 😉

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Freilichtmuseum, Freilichtorgel, Freizeitpark und Flohmarktliebe

Auf die Insel Seurasaari gelangt man zu Fuß, denn diese ist mit einer Brücke verbunden. Der Eintritt für Studenten kostet 6 €. Dafür bekommt man eine Karte und hat Zutritt zu den Gebäuden auf der Insel.

Wenn man nur die Natur genießen möchte, kann man auch kostenlos über die Insel streifen.

Wir haben uns für ersteres entschieden, denn uns interessierte es schon wie die Finnen früher gewohnt und gelebt haben.

Neben Bauernhäusern, die noch Möbliert sind, gibt es auf der Insel auch eine Holzkirche (1686), in der sich heute einige Finnen sogar trauen lassen.

Ganz in der Nähe auf dem Festland befindet sich das Sibelius Denkmal, welches dem Finnischen Komponisten Jean Sibelius gewidmet ist.

In Form einer riesigen Orgel bäumt sich das Monument in dem gleichnamigen Park auf. Beeindruckend und sehenswert. Angeblich soll man bei starkem Wind auch das Pfeifen in den Röhren hören.

Linnanmäki ist der Name des Freizeitparks in Helsinki, der 1950 als ein Wohltätigkeitsverein gegründet wurde. Der Eintritt ist frei, stattdessen zahlt man pro Fahrt und Fahrgeschäft. Von einer riesigen Holzachterbahn bis zum Kettenkarussell kommen hier alle Freizeitparkliebhaber auf ihre Kosten.

Als großer Flohmarktliebhaber musste ich natürlich auch die Finnischen mal anschauen. Erstaunlicherweise gibt es zahlreiche Flohmärkte in der Woche und am Wochenende.

Wir waren auf dem überdachten Bruno Flohmarkt auf einem alten Industriegelände. Einer hipper kleiner Flohmarkt, mit Essenstrucks und urbanen Design. Das Besten waren aber die Sachen die es dort gab. Nach einer Stunde mussten wir den Flohmarkt verlassen, weil ich sonst man ganzes Geld dort losgeworden wäre. Bei den Preisen sonst in Finnland waren wir über die zahlreichen Schnäppchen erstaunt. CD´s kosteten rund 20 Cent, Kleidung ungefähr 2-5 €/Kleidungsstück.

Vorglühen und feiern gehen

In Helsinki gibt es zahlreiche Bars und Kneipen, auch einige neue wie das Löyly. Schon jetzt zählt es zu den hippesten Bars, dass besondere ist, dass an die Bar eine öffentliche Sauna angeschlossen ist.

Wer möchte kann also seinen Champagner beim Schwitzen oder der Dachterrasse schlürfen und den Sonnenuntergang über dem Meer beobachten.

Wer es eher etwas legerer mag, dem kann ich das Siltanen empfehlen.

In einem alten Backsteingebäude mit Freisitz treffen sich hier die Studenten abends um zu tanzen und bei bester Laune den abends zu genießen.

Die Orte der Ruhe in der finnischen Hauptstadt

Direkt am Hafen brüstet sich die Uspenski-Kathedrale (tuomiokirkko) auf einer kleinen Erhöhung empor.

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Die orthodoxe Kirche ist eines von zahlreichen anderen Gebäuden, die zur Zeit der russischen Herrschaft erbaut wurde.

In der Nähe vom Bahnhof befindet sich die Kampi Kapelle der Stille. Zwischen Kaufhäusern ragt das künstlerisch gelungene Holzbauwerk. Die Kapelle hat bereits von außen durch die schlichte Form eine beruhigende Wirkung.

Auch im Inneren ist alles aus Holz und geschwungen. Die Kapelle steht für alle offen und lädt dazu ein dem Alltag für ein paar Momente zu entfliehen.

Die Felsenkirche (finnisch temppeliaukio) ist ein weiteres architektonisches Highlight von Helsinki. Von außen eher unscheinbar, zeigt sich im Inneren die Schönheit der Kirche.

Die Außenwände sind aus naturbelassenem Felsgestein und die Kuppel durchflutet die Halle mit Licht. Wir hatten das Glück und konnten bei unserem Besuch einem kostenlosen Klavierkonzert lauschen. Bei unserem ersten Besuch wurde uns jedoch der Eintritt verwehrt, da gerade ein Hochzeitszeremonie stattfand.

Auf dem Senatsplatz strahlt in weiß der Dom (Tuomiokirkko)von Helsinki. Erbaut wurde sie übrigens vom deutschen Architekten Carl Ludwig Engels.

Im Inneren befindet sich ein weiteres deutsches Zeugnis – eine Statue von Luther. Denn die Kathedrale ist Teil des lutherischen Bistums von Helsinki. Links daneben in dem Gebäude mit einer Kuppel auf dem Dach befindet sich die Bibliothek, ebenfalls sehenswert.

Fischermützen, Moomins und Tom – typisch finnisch

Als erstes sind uns vor jedem Haus Schuhbürsten aufgefallen.

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Obwohl wir super Sommerwetter hatten, war das wohl ein Anzeichen, dass wir wohl eher Glück mit dem Wetter hatten.

Anfang Juni feiern die Finnen ihren Schuljahresabschluss. Als wir an einem Fotogeschäft am ersten Tag vorbeikamen, machten wir uns noch lustig darüber, dass der Fotograf ja nicht sehr einfallsreich sei, da alle eine Kapitänsmütze und Rose in der Hand hatten. Meine finnische Freundin klärte uns dann aber, dass jeder Abiturient eine weiße Kappe (keine Fischermütze) und eine Rose erhält.

Worüber sich meine Freundin den ganzen Trip nicht mehr einkriegen und uns damit alle ansteckte, war ihr Mumin-Fieber.

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Nein, das ist keine Krankheit, sondern eine Zeichentrickserie, die weltweit großen Erfolg feierte. Die kleinen Mumins stellen kleine nilpferdartige Trolle dar – Nieeedlich.

Nicht ganz so niedlich, aber dafür hocherotisch geht es im Museum über den Künstler Tom of Finland alias Touko Laaksonen (1920-1991) her.

Seine Kunst widmete sich homoerotischen Themen in Form von Zeichnungen und Gemälden. 2014 druckte die finnische Post sogar eine Briefmarkenserie.

Finnische Spezialitäten

Wo fange ich an. Trotz, der geringen Population hat Finnland doch einige Spezialitäten zu bieten. Hier eine kleine aber empfehlenswerte Auswahl:

Karelische Pirogge (finnisch karjalanpiirakoita)

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Eine mit Milchreis gefüllte Teigtasche, die traditionell mit einer Ei-Butter-Mischung (finnisch munavoi) serviert wird. Sehr lecker. Aber zu viel konnten wir nicht davon essen.

Finnischer Blaubeerkuchen (Mustikkapiirakka)

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Ein Kuchen zum Verlieben und garantiert empfehlenswert für alle Blaubeeren-Liebhaber. In Finnland werden meist die kleineren Wald-Blaubeeren verwendet.

Diesen Kuchen und zahlreiche andere leckere (auch vegane) Spezialitäten gibt es beispielsweise in dem netten kleinen Café Kakku Galleria.

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Für 4,50 € kann man sich zwei kleine Kuchenhälften aussuchen.

Schokolade von Karl Fazer

Die Fazer Schokolade ist nicht nur in Finnland bekannt und beliebt. Sie kann locker mit britischer Thornton- oder deutscher Hussel-Schokolade mithalten. Der Schweizer Chocolatier Karl Fazer eröffnete 1891 das heute noch geöffnete russisch-französische Café in der Innenstadt von Helsinki. Ein Besuch wert. Mittlerweile gibt es mehrere Fazer Cafés in der Stadt, die jedoch moderner gestaltet sind, als das Original.

Salmiakki

Salmiakki ist salzige Lakritze, die in Deutschland auch unter Salmiak-Pastillen bekannt sind. Für Lakritze-Freunde auf jeden Fall ein Geschmackserlebnis, denn die kleinen Pastillen sind noch intensiver als normale Lakritze.

Bier

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Zu der bekanntesten Biermarke gehört das Karhu Bier. Auf der Flasche schmückt ein Bild von einem Bär die Front. Aber das macht Sinn, wenn man weiß, dass karhu Bär auf Finnisch heißt.

Mit vielen neuen Eindrücken hieß es nach 5 Tagen leider wieder Abschiednehmen, von meiner Freundin und von Helsinki. Eine sehenswerte Stadt in einem Land, das noch einiges zu bieten hat und wir sicherlich nicht das letzte Mal zu Besuch waren.

Eure Nadja 🙂

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